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Wettbewerbe / 12/2009 / 72458 Albstadt-Ebingen
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Rathauserweiterung
Die Stadt Albstadt erweiterte das Rathaus im Stadtteil Ebingen um einen Neubau. Mit dem Verfahren eines nichtoffenen Wettbewerbs sollte die beste architektonische und städtebauliche Lösung für die zu realisierende Hochbaumaßnahme gefunden werden. Wesentliche Zielsetzung war die Erweiterung des Rathauses, die in der Umsetzung des Raumprogramms den Anforderungen des Auslobers gerecht wird.
Rathauserweiterung
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Rathauserweiterung

Fakten


Die Stadt Albstadt erweiterte das Rathaus im Stadtteil Ebingen um einen Neubau. Mit dem Verfahren eines nichtoffenen Wettbewerbs sollte die beste architektonische und städtebauliche Lösung für die zu realisierende Hochbaumaßnahme gefunden werden. Wesentliche Zielsetzung war die Erweiterung des Rathauses, die in der Umsetzung des Raumprogramms den Anforderungen des Auslobers gerecht wird.

Beschreibung des Projekts
STÄDTEBAU
Der geplante Neubau schließt den Straßenblock Marktstraße/ Landgraben/ Kirchengraben und Museumstraße und bildet somit das neue Verwaltungsviertel. In der direkten Umgebung sind geschlossene Blockstrukturen vorzufinden, das Thema wird aufgenommen. Die Erweiterung ist als Flachdachgebäude geplant. Die in der Umgebung vorhandenen Gebäudehöhen werden nicht überschritten, das bestehende denkmalgeschützte Rathaus bleibt der höchste Punkt und behält somit seine Bedeutung als Sehenswürdigkeit der Stadt. Durch die Überplanung des Gebäudes Landgraben 15 wird eine klare, kompakte Struktur geschaffen.

EXTERNE UND INTERNE ERSCHLIEßUNG
Der Hauptzugang zum Rathaus bleibt an der Marktstraße. Durch den zentralen Ringverteiler bekommt der Eingangsbereich eine Verteilerfunktion für alle Nutzflächen. Ein weiterer behindertengerechter Zugang wurde an der Südostecke des Gebäudes angeordnet. Markiert wird dieser Zugang durch den in den Landgraben hervorspringenden Baukörper. Dieser Eingang kann auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Rathauses für Veranstaltungen im Sitzungssaal und im Bürgerbüro genutzt werden.

Die geplante Erweiterung des Rathauses soll zusammen mit dem denkmalgeschützten Gebäude eine funktionierende Einheit bilden. Ziel war es, einen Ringschluss innerhalb der Geschosse zu ermöglichen. So nimmt der Erweiterungsbau die bestehende Struktur des denkmalgeschützten Altbaus auf. Alle Büroräume sind an der Blockaußenseite angeordnet. Zur zentralen Mitte liegen die Verkehrs- und Nebenräume. Durch diese Struktur wird erreicht, dass jeder Zugang, der direkt in dem inneren Ring mündet, eine zentrale Verteilerfunktion besitzt.

INNERE ORGANISATION
Durch Zusammenführung von Alt- und Neubau können zusammenhängende und bauteilübergreifende Flächen geschaffen werden. Es ist künftig möglich, alle Nutzungsbereiche zusammenhängend anzuordnen. Die Bereiche wurden gemäß beiliegendem Schema aufgeteilt. Der Sitzungssaal wird in der Mitte angeordnet und bildet somit das Zentrum des neuen Komplexes. Zugänge sind sowohl direkt vom Landgraben, als auch vom bestehenden Gebäude und dem Erweiterungsbau geplant. Fenster von den angrenzenden Erschließungsflächen ermöglichen gezielte Einblicke in den Sitzungsraum und lassen die Bürger an der Politik Teil haben. Der zentrale Freibereich für Mitarbeiter und Besucher des Rathauses wurde in die Ebene 2 gehoben und liegt auf dem Dach des Sitzungssaales. Auch von hier sind über die großzügigen Dachverglasungen Einblicke in das politische Geschehen möglich.

ÄUßERES ERSCHEINUNGSBILD
Der Erweiterungsbau wird mit einem bedruckten, blickdurchlässigen textilen Netzgewebe (Screen) umspannt. Diese 2. Haut erfüllt die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz und den Blendschutz an den Arbeitsplätzen. Diese Fassade wurde auch in Anlehnung an die in Albstadt ansässige Textilindustrie gewählt. Als Bedruckung können verschiedene Motive und Texte gewählt werden. Der Raum zwischen der eigentlichen Fassade und dem Textilgewebe kann bei Einbruch der Dämmerung hinterleuchtet werden. Dadurch werden 2 Effekte erzielt: Zum einen bekommt der Baukörper ein interessantes Nachterscheinungsbild, zum anderen wird der Einblick von außen in die Büros verringert.

KONSTRUKTION
Der fünfgeschossige Erweiterungsbau ist als Passivhaus geplant. Die tragenden Bauteile, Decken und Stützen werden in Stahlbeton gefertigt. Das Stützenskelett befindet sich im Innenbereich. Die nichttragenden vollgedämmten Außenwände können als Holzrahmenbau im Werk vorgefertigt werden. Die Bauzeit wird dadurch minimiert. Geschossweise, im Zwischenraum zwischen der textilen Fassade und der thermischen Hülle angebrachte Stege, bieten die Möglichkeit, die großen Festverglasungen zu reinigen. Zudem verhindern Sie den Brandüberschlag zwischen den Geschossen. Das UG wird als zurückversetztes Sockelgeschoss ausgebildet und gleicht das Geländeniveau aus. Ab Erdgeschossniveau schiebt sich der Baukörper über die Außenwand hinaus.

MATERIAL UND ÖKOLOGIE
Bei der Materialwahl des Erweiterungsbaus wurden Schwerpunkte auf die Ressourcenschonung und die Schaffung eines behaglichen Raum- und Arbeitsklima gelegt. Wichtige Gesichtspunkte bei der Materialsammlung sind die Energieaufwendung bei Herstellung und Montage (Graue Energie, Entfernung zum Einbauort, gebundenes CO2, etc.) und die Freisetzung von Schadstoffen (flüchtige Stoffe, Bindemittel, etc.). Als Bodenbelag wird ein repräsentativer Travertin aus dem nahegelegenen Gauingen vorgeschlagen. Die Erschließungszonen werden durch Wandregale aus Tübinger Eiche von den einzelnen Räumen abgeteilt. Die Bürotrennwände sind aus Schwarzwälder Weißtanne gefertigt und sorgen im klar strukturierten Baukörper für eine angenehme Atmosphäre. Die eingestellten Funktionsräume werden mit einem Lehmputz versehen. Dessen Natürlichkeit und Eigenschaft als Puffermedium für Raumluftfeuchte sorgen für eine haptische, optische und funktionale Besonderheit.