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Wettbewerbe / 09/2017 / 87616 Marktoberndorf
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Neubau Kindergarten
Die Stadt Marktoberdorf beabsichtigte den Neubau eines 3-gruppigen Kindergartens südöstlich der Stadtmitte Marktoberdorf und östlich des Naherholungsbereiches „Buchel“. Gegenstand des nichtoffenen Wettbewerbs war die Planung dieses neuen Kindergartens, welcher einen Personal- und Organisationsbereich sowie einen Hauswirtschaftsbereich mit Küche und 3 Gruppen mit Nebenräumen aufnehmen sollte.
Neubau Kindergarten
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Neubau Kindergarten

Fakten
  • Bauherrschaft
    Stadt Marktoberdorf


Die Stadt Marktoberdorf beabsichtigte den Neubau eines 3-gruppigen Kindergartens südöstlich der Stadtmitte Marktoberdorf und östlich des Naherholungsbereiches „Buchel“. Gegenstand des nichtoffenen Wettbewerbs war die Planung dieses neuen Kindergartens, welcher einen Personal- und Organisationsbereich sowie einen Hauswirtschaftsbereich mit Küche und 3 Gruppen mit Nebenräumen aufnehmen sollte.

Beschreibung des Projekts
Die Besonderheit bei dem Projekt war das komplizierte, sehr steile Gelände. Die größte Herausforderung bestand darin, das neue Gebäude des Kindergartens harmonisch in den Hang zu integrieren. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass alle Gruppenräume dennoch mit genügend Tageslicht versorgt werden und im Außenbereich ein ausreichend großer und vor allem sicherer Spielplatz für die Kinder entsteht. Durch diese Gedanken ist im Zuge des Entwurfsprozesses ein L-förmiges Gebäude entstanden. Das Gebäude öffnet sich nach Süd-West und schafft so einen, von der Straße abgeschirmten und somit sicheren, Innenhof als Spiel- und Aufenthaltsfläche für die Kinder.

Auf den ersten Blick erweckt die Fassade des Kindergartens den Eindruck von zwei unterschiedlichen Baukörpern, die zusammengewachsen sind. Zum einen das eingeschossige Gebäudeteil mit verputzter Fassade, in dem Verwaltungsräume mit Nebenräumen untergebracht sind. Zum anderen das zweigeschossige Mauerwerkgebäude mit Satteldach. In diesem größeren Baukörper sind alle Räume für die Kinder, wie ein Essraum, eine Turnhalle, die Gruppenräume usw. verteilt.

Der zentrale Punkt des Entwurfes ist der Eingangsbereich des Kindergartens. Er ist Kommunikationsraum und zugleich Bindeglied zwischen den beiden Gebäudeteilen. Elternwartebereich, Matschbereich und Essraum schließen sich mit dem Foyer zusammen und schaffen einen multifunktionalen Bereich. Dieser Bereich kann bei Bedarf zusätzlich zur Turnhalle und Küche geöffnet werden. So gibt es die Möglichkeit, einen Bereich für Veranstaltungen zu schaffen. Der Haupteingang befindet sich an der Saliterstraße. An der Schnittstelle der beiden Gebäudeteile ist ein Vorplatz entstanden, der zum Teil überdacht ist. Hier ist es möglich, Fahrräder abzustellen. Der Haupteingang ist geschosshoch verglast. Die größte Öffnung der Fassade lädt die Kinder und Besucher in das offene und repräsentative Foyer ein. Durch die großzügige Pfosten-Riegel-Fassade fällt Tageslicht in den Innenraum. Das Erdgeschoss ist mit erstem Obergeschoss durch die großzügige Treppe und einen Luftraum verbunden. Hierdurch wirkt das Foyer im Erdgeschoss noch offener und einladend. Die zwei Gruppenräume und der Ruheraum im Obergeschoss sind außerdem barrierefrei mit dem Aufzug erreichbar. Aufgrund der Geländetopographie ist es möglich, von den Gruppenräumen im Obergeschoss über die Dachterrasse ins Freie zu flüchten.

Durch die Form des Gebäudes, sind drei Spielbereiche im Außenbereich entstanden. Die Dachterrasse - auf dem Dach des eingeschossigen Gebäudes – ist durch den kleineren Sandspielbereich und die Rasenflächen auch für kleinere Kinder geeignet. Von hier aus ist es möglich, über eine bestehende Treppe zum Naherholungsgebiet der Stadt samt Abenteuerspielplatz zu gelangen. Außerdem können die Kinder über eine Rutsche und vorhandene Treppen bzw. Sitzstufen in den größten Spielbereich, der zentral im Innenhof liegt, gelangen. Hier ist es den Kindern möglich, aktiv zu sein, zu klettern oder Trampolin zu springen. Bei schönem Wetter kann der Innenhof ebenfalls als Amphitheater für Veranstaltungen benutzt werden. Der kleinste Aufenthaltsbereich im Außenraum, nördlich vom Kindergarten, besitzt einen Grillbereich mit Sitzecke. Dieser ist in der Nähe der Küche und der Anlieferungszone geplant. Der Weg vom Innenhof aus ist knapp 14 m lang. Der Entwurf berücksichtigt die notwendige Hangsicherung und nützt diesen schmalen, langen Bereich optimal aus. Um diesen Durchgangsbereich für die Kinder spannend zu gestalten, sind eine Kletterwand sowie weitere Spiel- und Kletterelemente entstanden.

Das Materialkonzept sieht vor die Fassade als vorgehängtes Sichtmauerwerk über einer gedämmten Stahlbetonaußenwand auszubilden. So entsteht ein statisch massives Gebäude, welches auch optisch als massiver Baustein ein Gegengewicht zum steil abfallenden Gelände bildet und ein Gefühl von Sicherheit übermittelt. Zudem spielt die Mauerwerkfassade eine wichtige Rolle für die Gebäudetemperatur im Innenbereich. Der Wandaufbau und der niedrige U-Wert sorgen für eine gute Wärmedämmung. Im Winter verbleibt die Wärme geschützt im Innenraum und im Sommer bleibt das Gebäude angenehm kühl. Zudem sorgt eine Fußbodenheizung für gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Gebäude. Die Heizung sorgt für angenehmes Spielerlebnis auf den Fußböden des Hauses.

Die intensiv begrünte Dachterrasse des 1-geschossigen Gebäudeteils bringt zusätzliche Dämmeigenschaften im Winter und sorgt im Sommer für Kühlung durch Verdunstungskälte. Ein begrüntes Flachdach verbessert das Arbeits- und Aufenthaltsumfeld für Menschen, die die Flachdachfläche einsehen und begehen können. Sie sorgt für eine optische Aufwertung der Gebäudearchitektur und erweitert den naturnahen Freiraum. Der Entwurf sieht vor an der Südseite des Satteldachs Dachziegel mit integrierten Photovoltaikelementen anzubringen. Einer der Lagerräume ist so dimensioniert, dass es ohne Probleme möglich ist, dort eine Wärmepumpe zu installieren. So ist es möglich den Kindergarten mit Strom und heißem Wasser zu versorgen.

Klar definierte Nutzungsbereiche; ein repräsentativer großzügiger Eingangsbereich; vielfältige und vor allem sichere Spielbereiche; helle Räume mit behaglicher Temperatur und ein kostengünstiges Energiekonzept schaffen eine angenehme Atmosphäre für Menschen jeden Alters – aber ganz speziell für die ganz Kleinsten.