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Wohnbau gewerblich/privat / 73230 Kirchheim unter Teck
Neubau Wohn- und Geschäftshaus, Hindenburgstraße 34, Bauteil C
Erweiterung Eisbärhaus
Das Grundstück „Hindenburgstraße 34” wurde im Jahr 2018 erworben, um das 2009 errichtete Wohn- und Geschäftshaus „Eisbärhaus“ durch einen Neubau räumlich zu vergrößern. Wie das Eisbärhaus (Bauteile A+B) wurde auch dessen Erweiterung (Bauteil C) als Passivhaus konzipiert. Bereits bei Projektbeginn entschieden wir uns dazu, eine DGNB-Zertifizierung in Platin für das Projekt anzustreben. Diese Auszeichnung erhalten nur besonders umweltfreundliche, ressourcenschonende und funktionale Bauten, die sich vorbildlich in ihr Umfeld integrieren.
Neubau Wohn- und Geschäftshaus, Hindenburgstraße 34, Bauteil C

Erweiterung Eisbärhaus

Fakten
  • Bauherrschaft
    Grundstücksgemeinschaft Hindenburgstraße 34 GbR
  • Generalplanung
    BANKWITZ beraten planen bauen
  • Leistungsphasen
    1-9 nach HOAI
  • Bauzeit
    03/2019- 04/2020
  • Bruttogrundfläche
    1.577 m²
  • Kubatur
    5.173 m³
  • Nutzfläche
    673 m²
  • Wohnfläche
    146 m²


Das Grundstück „Hindenburgstraße 34” wurde im Jahr 2018 erworben, um das 2009 errichtete Wohn- und Geschäftshaus „Eisbärhaus“ durch einen Neubau räumlich zu vergrößern. Wie das Eisbärhaus (Bauteile A+B) wurde auch dessen Erweiterung (Bauteil C) als Passivhaus konzipiert. Bereits bei Projektbeginn entschieden wir uns dazu, eine DGNB-Zertifizierung in Platin für das Projekt anzustreben. Diese Auszeichnung erhalten nur besonders umweltfreundliche, ressourcenschonende und funktionale Bauten, die sich vorbildlich in ihr Umfeld integrieren.

Beschreibung des Projekts
Im Zentrum von Kirchheim unter Teck wurde mit der Erweiterung des Eisbärhauses ein Gebäude fertiggestellt, das neue Maßstäbe setzt. Das Projekt und seine Innovationen optimieren das nachhaltige Bauen in vielen Bereichen. Das Gebäude ist über eine, von allen Bauteilen gemeinsam genutzte und bereits bestehende, Tiefgarageneinfahrt an die Hindenburgstraße angeschlossen. Während im 2. Untergeschoss die Abstellräume untergebracht sind, befinden sich im 1. Untergeschoss die circa 20 Fahrradabstellplätze und der Technikraum. Parkiert wird sowohl im 1. als auch im 2. Untergeschoss. Um die notwendigen Stellplätze nachzuweisen, kamen vier Doppelparker zur Ausführung. Zusätzlich existieren zwei verkürzte Stellplätze für die vorhandenen Bürosmarts sowie ein offener PKW-Stellplatz auf dem Grundstück.

Im Erdgeschoss lässt sich ein knapp 33 m² großes, barrierefreies Apartment finden. Zudem ist hier eine Kindertagespflege untergebracht, die gemeinsam mit dem Tageselternverein Kreis Esslingen e.V. betrieben wird. Durch die unmittelbare Nähe zu der Einrichtung kann unser Unternehmen, in Ergänzung zum öffentlichen Angebot, die Kinderbetreuung für unsere Mannschaft zuverlässig sicherstellen. Wir tragen so dem Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung.

Im Erdgeschoss befindet sich auch eine Gewerbefläche, die durch eine innenliegende Wendeltreppe mit dem darüberliegenden Geschoss verbunden ist. Während im Erdgeschoss der Empfang und eine Werkstatt untergebracht sind, befinden sich in der 179m² großen Gewerbefläche im 1. Obergeschoss 12 weitere Arbeitsplätze sowie die benötigten Besprechungsräume.

Eine Besonderheit stellt der gläserne Steg im 2. Obergeschoss dar, der die Büroräume der BANKWITZ beraten planen bauen GmbH im bestehenden Eisbärhaus mit der hinzugewonnenen Fläche im Neubau verbindet. So ist es für die MitspielerInnen möglich, zwischen dem Bauteil A und dem neu errichteten Bauteil C hin und her zu gehen. Im 3. Obergeschoss ist eine 115 m² große Wohneinheit untergebracht.

KONSTRUKTION:
Das Gebäude wurde als Stahlbeton-Holz-Hybridbau errichtet. Als Grundlage für die Auswahl der eingesetzten Baustoffe diente unter anderem der Vorarlberger Ökoleitfaden. Jedes Produkt wurde hinsichtlich dessen „Grauer Energie“, der benötigten Energie bei der Herstellung des Produktes, geprüft. Ein weiteres Kriterium stellte die möglichst geringe Belastung von Mensch und Umwelt durch die verwendeten Produkte dar. Und das nicht nur im eingebauten Zustand, sondern auch bei der Herstellung und der Verarbeitung. Regionale Produkte sowie Materialien mit Nachhaltigkeitslabels hatten stets Vorrang. Holz als natürlich nachwachsender Rohstoff erfüllt all diese Bedingungen. Im Innenausbau kamen ausschließlich natürliche Materialien zum Einsatz.

Um den Vorfertigungsgrad zu erhöhen und die Montagezeit auf der Baustelle zu verkürzen, wurden alle Außenwände im Werk vorgefertigt. Die Außenwände bestehen aus Holzelementen mit Zellulosedämmung und einer unbehandelten, sägerauen Holzverkleidung. Die Fensterflügel und -rahmen sind ebenfalls unbehandelt. Durch die unterschiedlich tiefen Profilhölzer aus Weißtanne entstehen auf den Fassaden (je nach Tageszeit und Witterung) spannende Licht- und Schattenspiele. Bedingt durch die elementierten Außenwände und das Stahlbeton-Skelett kann die Fassade ohne Eingriffe in das Tragwerk rückgebaut und recycelt werden.

Für alle Betonarbeiten, auch für den wasserundurchlässigen Beton (WU-Beton), kam Recycling-Beton (RC-Beton) zum Einsatz. Zudem wurde im Bauteil C als Pilotprojekt erstmalig auch eine Bodenplatte in Recyclingbeton ausgeführt.

TECHNISCHER AUSBAU:
Alle Nutzungseinheiten im Bauteil C werden durch jeweils ein dezentrales Komfort-Lüftungsgerät be- und entlüftet. Die zugeführte Luftmenge über einen CO2-Sensor geregelt. Dieser misst kontinuierlich die Luftqualität im Raum und führt dann die entsprechende Menge Frischluft zu. Ein Wärmetauscher entzieht der Fortluft im Winter die Wärme und gibt sie an die angesaugte Frischluft weiter (Wärmerückgewinnungsgrad ca. 85%). Zusätzlich wird die Außenluft durch die in den Serverräumen entstehende Abwärme vorgewärmt.

Alle Nutzungseinheiten werden zusätzlich über eine Boden- bzw. Wandheizung temperiert. Die für die Beheizung im Winterbetrieb notwendige Wärmemenge wird über die bestehenden Bauteile A und B bezogen, da dort aufgrund der inneren Wärmelasten in der Regel ein Energieüberschuss besteht (Nahwärmenetz). Im bestehenden Eisbärhaus erfolgt die Beheizung der Räume über Geothermie und eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Eine eigene Wärmeerzeugung gibt es im Bauteil C nicht.

Die Kühlung der Flächen im Bauteil C erfolgt über Soleleitungen und vier geothermische Bohrungen (jeweils bis in ca. 100 Meter Tiefe). Warmwasser wird ebenfalls über die Bauteile A und B bezogen. Das Wasser für die WC-Spülungen und die Garten- bzw. Dachgartenbewässerung wird der Zisterne entnommen. Diese sammelt das gesamte auf den versiegelten Flächen auftreffende Wasser. Alle Freiflächen bleiben unversiegelt und somit als Versickerungsflächen erhalten.

Auf dem Dach des Bauteil C wurde eine Fotovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 25,92 kWp installiert. Der produzierte Strom wird zum größten Teil im eigenen Gebäude verbraucht. Vor der Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz werden zunächst die vorhandenen E-Bikes und Elektrofahrzeuge geladen. Außerdem kann der selbst produzierte Strom durch die Nutzung einer Batteriespeicheranlage (40,96 kW) auch erst zu einem späteren Zeitpunkt verbraucht werden. Das Eisbärhaus erreicht eine Strom-Autarkie-Rate von über 50%.

Die Beleuchtung des Gebäudes erfolgt ausschließlich über LED-Leuchtmittel. In allen nicht ständig genutzten Räumen wird die Beleuchtung über Präsenzmelder gesteuert. Der außenliegende Wärme-, Sonnen- und Blendschutz (Screen) wird über eine zentrale Wetterstation abhängig vom Sonnenstand, von der Lichtstärke und windabhängig gesteuert.

Die gesamte Gebäudetechnik wird mit Hilfe einer Mess-Steuer-Regeltechnik gesteuert. Über diese werden alle tatsächlichen Verbrauchszahlen erhoben und fortlaufend kontrolliert. Fehlfunktionen bzw. Optimierungsoptionen können so frühzeitig erkannt und korrigiert werden.