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Wettbewerbe / 05/2020 / 73249 Wernau
Investoren- und Nichtoffener Wettbewerb
Wohnbebauung Adlerstraße Ost
Die Stadt Wernau beabsichtigt, die Grundstücksflächen der geplanten Wohnbebauung Adlerstraße Ost an Investoren, Bauträger oder Wohnungsunternehmen zu veräußern. Es soll dort ein zukunftsorientiertes, flexibles neues Wohnquartier mit einer sozial gemischten Bewohnerstruktur entstehen. Wir nahmen am Wettbewerb gemeinsam mit der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen eG Teil.
Investoren- und Nichtoffener Wettbewerb

Wohnbebauung Adlerstraße Ost

Fakten
  • Bauherrschaft
    Ausloberin: Stadt Wernau


Die Stadt Wernau beabsichtigt, die Grundstücksflächen der geplanten Wohnbebauung Adlerstraße Ost an Investoren, Bauträger oder Wohnungsunternehmen zu veräußern. Es soll dort ein zukunftsorientiertes, flexibles neues Wohnquartier mit einer sozial gemischten Bewohnerstruktur entstehen. Wir nahmen am Wettbewerb gemeinsam mit der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen eG Teil.

Beschreibung des Projekts
Die neue Wohnbebauung bietet altersgerechtes Wohnen in unterschiedlichsten Wohnformen an. Neben den klassischen 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen sind auch alternative Wohnformen wie Clusterwohnungen (mit je 3 Apartments), die als Senioren WG genutzt werden können, sowie Gästewohnungen vorgesehen. Zudem gibt es für die Mitarbeiter des Pflegeheims die Möglichkeit, kleinere Mitarbeiterwohnungen anzumieten.
Alle 101 Wohnungsgrundrisse der Anlage sind nach LBO barrierefrei geplant, was eine hohe Flexibilität in der Belegung ermöglicht. 14 Wohnungen sind nach DIN 18041 rollstuhlgerecht ausgeführt. Alle barrierefrei geplanten Wohnungen können mit wenig Aufwand zu einer rollstuhlgerechten Wohneinheit umgestaltet werden.
Während die Erschließung für das Haus 1 und 2 von der Straßenseite aus erfolgt und sich somit die privaten Balkone nach Süden bzw. Westen zum Innenhof orientieren, werden Haus 3, 4 und 5 mit Laubengängen von der Innenhofseite erschlossen. Diese Laubengänge werden durch großzügige Gemeinschaftsbalkone ergänzt, die einen direkten Bezug zum Innenhof bieten und diesen zusätzlich beleben.
Alle Wohnungen von Haus 3, 4 und 5 haben ebenfalls private Terrassen und Loggien nach Süden bzw. Westen. An Stelle der üblichen zurückgesetzten Staffelgeschosse werden im 3. Obergeschoss großzügige Terrassen vorgesehen, die von den Bewohnern des Hauses gemeinschaftlich genutzt werden dürfen. Dort sind neben Sitzgelegenheiten und einer Dachgartengestaltung auch „urban gardening“ Hochbeete vorgesehen.
Fast alle Wohnungen sind nach den Förderrichtlinien des LWoFG geplant. Dies führt zu einer sozialen Durchmischung in der gesamten Anlage. Generell steht für den Investor genossenschaftliches Wohnen in Mietwohnungen im Vordergrund, ergänzend sind Wohneinheiten zum Verkauf geplant.

STÄDTEBAU
Das Bebauungskonzept orientiert sich eng am städtebaulichen Entwurf. Die geschlossenen Kanten der Wohnanlage definieren einen klar ablesbaren Innenhof. Eine Abweichung stellt das „Gartenhaus“ dar, welches nicht an eines der Geschosswohnungsgebäude angeschlossen ist sondern als Solitär in die Gartenanlage eingestellt ist. Die Bebauung an der Albstraße nimmt mit Vor-und Rücksprüngen der Fassade sowie der Unterteilung der Bebauung in drei- und viergeschossige Baukörper und einer nach Süden tiefer liegenden EFH Bezug auf die kleinkörnige Bebauung der gegenüberliegenden Straßenseite (östlich der Albstraße). Die Einfahrten für die Tiefgarage liegen an der Albstraße, die weniger befahren ist als die nördliche Randstraße. Sie ist zweiteilig konzipiert, da sie so der Topographie des Geländes besser folgen kann. Zudem könnte die Anlage hierdurch auch in zwei Bauabschnitten realisiert werden.

FREI- UND GEMEINSCHAFTSBEREICHE
Der Entwurf basiert auf der Grundidee einer Abfolge von Gemeinschaftsbereichen, die sich von Nord nach Süd durch das Grundstück ziehen. Während im Norden die ruhigen Rückzugsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität angeboten werden, liegen im Süden die Aktivräume für die Kinder.
Den Anfangspunkt bilden in Haus 1 die Sozialstation, ein gemeinschaftlicher Aufenthaltsraum mit integriertem Waschcafé sowie Gewerbeflächen aus dem Bereich des Gesundheitswesens. Darauf folgt der ruhigere, nördliche Gartenteil des Innenhofes. Das als Solitär geplante Haus im Hof wird zum „Gartenhaus“. Das vollverglaste Erdgeschoss des „Gartenhauses“ ermöglicht Blickbeziehungen zu allen Richtungen in den Garten und führt die Freianlagen im Gebäude fort. Die im Erdgeschoss vorgesehenen Holzstützen ahmen das Bild der Baumkrone der Bäume im Garten nach. Das Gebäude bietet einen großen Gemeinschaftsraum. Eine ausfahrbare Küchenzeile ermöglicht Catering für Veranstaltungen und Feste, es können Vorträge gehalten, kleine Aufführungen oder Tanzabende veranstaltet werden. Auf der Dachterrasse, die von allen Bewohnern genutzt werden kann, können Kinoabende und Nachbarschaftsfeste stattfinden. Den Abschluss bildet der südliche Teil des Innenhofes (Garten mit Spielbereich).
Die bewusst platzierten Gemeinschaftsflächen fördern die Begegnung und die Kommunikation der Bewohner und bieten einen hohen Freizeitwert im Alltag. Eine starke Identifikation mit dem Quartier und eine höhere Wohnqualität der Bewohner sind die Folge.
Der innenliegende Garten wird mit einer überschaubaren Schnitthecke gefasst und erhält damit einen formalen Rahmen. Die Innenwelt hingegen zeigt sich naturnah mit üppig grünen Staudenpflanzungen. Haine und Solitärgehölze akzentuieren die Räume. Wege mit Aufweitungen und leichte Modellierungen schwingen um die Rasen- und Spielinseln und eröffnen abwechslungsreiche Perspektiven. Die den Erdgeschossen zugeordneten Gartenräume erhalten zum Schutz der Privatheit ebenfalls Schnitthecken zur Abgrenzung. Hinter diesen homogenen Kulissen eröffnen sich dann Möglichkeiten zur Gestaltung der jeweils privaten Gartenwelt.

KONSTRUKTION/FASSADE
Die Konstruktion ist ein Holz-Beton-Hybridbau. Durch einen hohen Vorfertigungsgrad können kurze Bauzeiten und eine hohe Qualität gewährleistet werden. Neben den kurzen Bauzeiten kann durch diese Bauweise die Konstruktionsfläche reduziert und somit mehr Nutzfläche generiert werden. Eine Massivwand mit vorgesetzter Wärmedämmung würde bei gleichen Oberflächen und Dämmeigenschaften ca.15% mehr Konstruktionsfläche aufweisen. Neben den hervorragenden Dämmeigenschaften bieten diese Außenwände durch die Zellulosedämmung auch einen sehr guten Schall- und Hitzeschutz.
Das Gartenhaus ist als reiner Holzbau mit sichtbaren Brettsperrholzdecken und tragenden Holzrahmenbauwänden geplant. Die Außenwandoberflächen bestehen hauptsächlich aus vorgehängten hinterlüfteten Fassaden aus Holz oder Plattenwerkstoffen. Neben den ökologischen Vorteilen bei der Herstellung sind diese Fassaden nahezu wartungsfrei und reduzieren so die Unterhaltskosten des Gebäudes. Als innere Wandoberfläche dient eine Gipsfaserplatte, die auch bei Mieter- und Tapetenwechsel dauerhaft Stand hält.

ÖKOLOGIE UND NACHHALTIGKEIT
Die tragenden Bauteile werden aus Recyclingbeton hergestellt. Die nichttragenden Holzrahmenbau-Außenwände sind mit Zellulosefasern, die durch ein Recyclingverfahren aus Tageszeitungspapier hergestellt werden, gedämmt. Das Grundmaterial der Dämmung und der Außenwandkonstruktion besteht also aus Holz. Natürliche Baustoffe schaffen ein angenehmes Raumklima, welches gerade für sensible Bewohnergruppen von Vorteil ist. Für die Produktion der verwendeten Baustoffe der Außenwand werden der Atmosphäre mehr Treibhausgase entzogen als zugeführt. Insgesamt ist somit eine äußerst CO2-sparende Bauweise vorgesehen. Die Fassaden von Haus 3, 4 und 5 (im Süden bzw. Westen) sind teilweise mit Kletterpflanzen begrünt, welche neben gestalterischen auch Feinstaub bindende Eigenschaften hat.

ENERGIEEFFIZIENZ UND ENERGIEVERSORGUNG
Der errechnete U-Wert der geplanten Außenwände von 0,14W/(m²K) unterschreitet die Richtwerte für das Effizienzhaus 40. Zusammen mit dem vorgesehenen Nahwärmenetz ist somit der Effizienzhaus 40 Standard umsetzbar. Um den Energieverbrauch der Gebäude weiter zu reduzieren, schlagen wir vor, die Nutzungseinheiten zusätzlich mit Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung auszurüsten. Eine Lüftungsverteilung erfolgt im Bereich der Flure in abgehängten Decken. Sollte eine Kooperation mit dem projektierten, angrenzenden Pflegeheim und der geplanten Turnhalle zu Stande kommen, wird ein Nahwärmenetz für diese Nutzungen aufgebaut. Als Wärmeerzeugung dienen ein Blockheizkraftwerk sowie ein Spitzenlastkessel mit Biomethanbetrieb. Zusätzlich kann die Anlage durch Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen unterstützt werden. Bei einer eigenständigen Betrachtung des Loses 1 wird an Stelle des BHKW eine Geothermieanlage mit reversibler Wärmepumpe geplant. Auch hier würde eine Spitzenlastabdeckung über Biogas erfolgen. Die Wärmeübertragung erfolgt über Flächenheizung (Fußbodenheizung).