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Wettbewerbe / 05/2019 / 73230 Kirchheim unter Teck
Nichtoffener Wettbewerb
Umbau und Sanierung Kornhaus
Die Stadt Kirchheim unter Teck beabsichtigt die Sanierung des denkmalgeschützten Kornhauses in der Kirchheimer Altstadt, da es in seiner Bausubstanz und Haustechnik veraltet ist. Darüber hinaus sollen im Zuge der Neuausrichtung die Präsenzausstellung und die Kulturvermittlung des Städtischen Museums im Kornhaus neu aufgestellt werden.
Nichtoffener Wettbewerb

Umbau und Sanierung Kornhaus

Fakten
  • Bauherrschaft
    Stadt Kirchheim unter Teck
  • Fachplaner
    Teilnahme am Wettbewerb gemeinsam mit:

    meierei
    Innenarchitektur | Design


Die Stadt Kirchheim unter Teck beabsichtigt die Sanierung des denkmalgeschützten Kornhauses in der Kirchheimer Altstadt, da es in seiner Bausubstanz und Haustechnik veraltet ist. Darüber hinaus sollen im Zuge der Neuausrichtung die Präsenzausstellung und die Kulturvermittlung des Städtischen Museums im Kornhaus neu aufgestellt werden.

Beschreibung des Projekts
FREIANLAGEN UND STÄDTEBAU
Der Widerholtplatz soll aktiviert und von der Max-Eyth-Straße erkennbar werden. Hierzu werden alle störenden baulichen Anlagen zwischen Max-Eyth-Straße und dem Widerholtplatz entfernt. Ein durchgehendes Foyer bindet die Fußgängerzone im Süden an den Widerholtplatz im Norden an und ermöglicht den barrierefreien Zugang sowie den freien Blick durch das Gebäude. Die beiden gleichwertigen Zugänge sind jeweils stufenlos von den angrenzenden Erschließungsflächen geplant. Um den barrierefreien Zugang vom Platz zu gewährleisten, wird die Belagsoberkante am Kornhaus angezogen (analog der Situation bei der Zufahrt der Feuerwehrfahrzeuge aus den 50er-Jahren).

Der Platz wird insgesamt neu gestaltet und die Außenkanten der Belagsfläche neu definiert. Abgesetzte Pflasterstreifen in dem sonst homogen geplanten neugestalteten Platz nehmen die Richtungen und die Strukturen der angrenzenden historischen Gebäude auf. Es entsteht ein Spannungsfeld und Wechselspiel zwischen Martinskirche, Max-Eyth-Haus und Kornhaus. Die Martinskirche strahlt so bis auf die Max-Eyth-Straße und auch östlich auf die Marktstraß. Touristen und Fußgänger werden auf den Platz geleitet. Weitere Attraktionen und auch Aussenstellflächen vom Kornhaus geben dieser Fläche neues Leben.

INNERE ERSCHLIEßUNG
Die Lage der beiden notwendigen Treppenhäuser bleibt erhalten, um die Eingriffe in die Substanz so gering wie möglich zu halten. Das östliche Haupttreppenhaus wird nun über alle Geschosse durchgehend mit gleichen Läufen geplant, sodass die Zugänge ins Treppenhaus von allen Geschossen gleich sind und sich die Besucher zu Recht finden. Ein durchgehender Luftraum macht die Dimension des Gebäudes über alle Geschosse erlebbar, ohne dass bestehende Tragelemente entfernt werden müssen. Alle Hauptnutzungen sind über das Treppenhaus unabhängig voneinander nutzbar und abschließbar. Die oberen Geschosse sind über den Widerholtplatz beziehungsweise über den Eingang zum Max-Eyth-Haus auch unabhängig vom Foyer zu erreichen.

FOYER
Der Eingangsbereich von der Max-Eyth-Straße wird ebenerdig gestaltet, der notwendige Höhenunterschied zur Ausstellungsfläche ist im Inneren des Gebäudes vorgesehen. Zusammen mit den geplanten Sitzstufen entsteht ein Raum für Kommunikation und zum Ausruhen mit Blick in die ersten Ausstellungsflächen, der auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden kann. Die erforderliche Fußbodenabsenkung im Eingangsbereich greift nicht in die bestehende Gewölbestruktur ein.

UNTERGESCHOSS
Um Eingriffe in das Gewölbe und störende Treppenabgänge in den Freianlagen zu vermeiden, ist im Untergeschoss keine öffentliche Nutzung und dadurch kein zusätzlicher baulicher Rettungsweg vorgesehen. Um den Besuchern diesen attraktiven Gewölbekeller zugänglich zu machen, sind hier im erweiterten Treppenraum Schließfächer und eine zentrale sanitäre Anlage vorgesehen, die als Raum im Raum in den Gewölbekeller eingestellt wird. Ebenso besteht die Möglichkeit, hier bei Veranstaltungen eine zentrale, beaufsichtigte Garderobenanlage anzubieten. Das Gewölbe wird in seinen Urzustand zurückversetzt und von Farbanstrichen befreit. Eine akzentuierte Beleuchtung des Gewölbes in den Raumkanten wird diesen Raum in ein neues Licht versetzen. Für den internen Nutzen stehen ein großes Lager sowie Platz für eine Werkstatt zur Verfügung. Die bestehende Heizzentrale bleibt unberührt.

ERDGESCHOSS
Neben der Sonderausstellung 2 inklusive kleinem Lager beherbergt das Erdgeschoss außerdem den Raum "Meine Ausstellung" der der Bürgerschaft zur Verfügung gestellt wird um in Eigeninitiative Ausstellungen oder Veranstaltungen zu besonderen Anlässen ermöglicht. Dieser Raum verfügt über das Nebentreppenhaus im Westen auch über einen eigenen, vom Foyer separierten Eingang.

1. OBERGESCHOSS
Das erste Obergeschoss wird komplett von der Sonderausstellung 1 genutzt. Wie in der Sonderausstellung 2 ermöglichen mobile Ausstellungswände die flexible Nutzung für verschiedenste Ausstellungsformate.

DACHGESCHOSS
Im Dachgeschoss befindet sich der große Veranstaltungssaal mit Nebenräumen, sowie die Kulturvermittlung. Die Kulturvermittlung wird über das Nebentreppenhaus vom Vorbereich des Max-Eyth-Hauses erschlossen. Vor dem Veranstaltungssaal ist ein kleines Foyer angeordnet, welches für einen kleinen Sektempfang geeignet ist. Eine Andienung der Getränke erfolgt direkt über den Aufsichtsraum mit kleiner Teeküche. Die ehemalige zweite Ebene im Dachgeschoss wird zugunsten der Raumhöhe und besseren Raumnutzung aufgelöst. Entsprechend den Planunterlagen aus dem Jahr 1948 waren in diesem Raum ursprünglich keine Mittelstützen vorhanden. Wir gehen davon aus, dass diese im Zuge der Nutzung des 2.Dachgeschosses eingebaut wurden und dementsprechend dann nicht mehr erforderlich sind. Unterhalb der oberen Kehlbalkenlage ist eine Funktionsdecke geplant, die neben Lüftung und Grundbeleuchtung auch akustisch wirksam ist. Von dieser Decke können bei Bedarf Aluminiumträger abgehängt werden, an die Theaterscheinwerfer und Lautsprecher angebracht werden können.

TECHNISCHER AUSBAU
Das Kornhaus erhält eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Luft wird an den Stirnseiten des Nebentreppenhauses in die einzelnen Räume eingeblasen und verteilt sich im Raum. Auf der gegenüberliegenden Seite, an der Rückwand des Aufzugs, wird die verbrauchte Luft wieder abgesaugt. Die Lüftungsanlage wird im Untergeschoss aufgestellt. Die Heizung erfolgt über die neu geplanten Deckensegel auf Unterkante der Nebenträger. Diese Decken können auch zur Kühlung verwendet werden.

FASSADEN
Die Gebäudestruktur des Kornhauses und die historischen Elemente des Gebäudes bleiben erhalten. An den Fassaden werden die in den 50er-Jahren entstandenen und in den folgenden Jahren wieder geschlossenen Öffnungen zum Widerholtplatz wieder aktiviert. Um dem Gebäude ein transparentes und modernes Erscheinungsbild zu geben, wird additiv am Eingangsbereich und auf der Nordseite vor den großen Fassadenöffnungen eine Glasfassade geplant. Unter Beibehaltung der historischen Substanz präsentiert sich das Kornhaus mit modernen Elementen zur Max-Eyth-Straße und zum Widerholtplatz.

INNENRAUMGESTALTUNG
Die Tragstruktur der Holzbalken soll aufbereitet und in seinen ursprünglichen Zustand, ohne Lackschutz oder ähnliche Oberflächen, versetzt werden. Zum Teil werden die äußeren Holzstützen zu Gunsten von Ausstellungsfläche mit Trockenbau verkoffert. Die Decke wird auf das Niveau der kürzeren, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Deckenbalken abgesenkt. Die Kassettendecke in Trockenbauweise, die sich in das bestehende Raster der Quer- und Längsbalken einfügt, beherbergt eine indirekte Grundbeleuchtung sowie Lichtschienen, die mithilfe von mobilen Strahlern eine flexible und gezielte Beleuchtung der Ausstellungswände ermöglicht. Der Fußboden im Erdgeschoss und Untergeschoss soll als Sichtestrich oder Terrazzo ausgebildet sein, um die notwendige Haltbarkeit in den am meisten beanspruchten Verkehrsflächen zu gewährleisten. Der gleiche Bodenbelag erstreckt sich auch auf den Rest des Erdgeschosses und bindet so alle Räume auf dieser Ebene zu einer Gesamtfläche, der nur von großen Glasschiebetüren unterbrochen wird. In den oberen Geschossen soll der Boden mit Hirnholzparkett belegt werden. Dieser sehr haltbare Bodenbelag schlägt eine harmonische Brücke von der bestehenden Holztragstruktur zu den weißen,
modernen Wänden. Die Wände und Trockenbauelement an Wand und Decke sollen weiß gekalkt oder mit einem offenen, weißen Wandanstrich versehen werden. Soweit möglich sollen alle Materialien unbehandelt oder auf hochwertige und nachhaltige Weise veredelt werden.