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Industrie- und Gewerbebau / 87660 Irsee
Neubau
"Alte Küferei", Kloster Irsee
Die Klosteranlage des ehemaligen Reichsstifts Irsee beherbergt heute das Schwäbische Bildungszentrum Irsee. Seit seiner Eröffnung 1981 hat sich das Haus auch international einen beachteten Namen als Veranstaltungszentrum erworben. Im Jahr 2017 entschloss sich der Bezirk Schwaben, die barocke Klosteranlage durch einen Neubau zu erweitern. Unser Büro wurde nach erfolgreicher Teilnahme an einem ausgelobten Planungswettbewerb mit dieser Aufgabe betraut.
Neubau

"Alte Küferei", Kloster Irsee

Fakten
  • Bauherrschaft
    Schwäbisches Bildungszentrum Irsee
  • Architektenleistung
    BANKWITZ beraten planen bauen
  • Fachplaner
    meierei
    Innenarchitektur | Design
  • Leistungsphasen
    1-9 nach HOAI
  • Bruttogrundfläche
    2500 m²
  • Kubatur
    9000 m³
  • Nutzfläche
    1100 m²
  • Fotos
    Achim Bunz, © Schwäbisches Bildungszentrum Irsee


Die Klosteranlage des ehemaligen Reichsstifts Irsee beherbergt heute das Schwäbische Bildungszentrum Irsee. Seit seiner Eröffnung 1981 hat sich das Haus auch international einen beachteten Namen als Veranstaltungszentrum erworben. Im Jahr 2017 entschloss sich der Bezirk Schwaben, die barocke Klosteranlage durch einen Neubau zu erweitern. Unser Büro wurde nach erfolgreicher Teilnahme an einem ausgelobten Planungswettbewerb mit dieser Aufgabe betraut.

Beschreibung des Projekts
Archäologen wiesen nach, dass auf dem historischen Grund des Benedektinerstifts Irsee eine Wassermühle, eine Holzlege und eine Fassbinderei standen. Durch den Neubau der Küferei sollten diese in moderner Gestalt wieder hergestellt werden. Es galt im historischen Kontext des ehemaligen Benediktinerklosters aus dem 18. Jahrhundert mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und mit dem architektonischen Entwurf die Anforderungen zu erfüllen, die heute an ein modernes Tagungszentrum gestellt werden.

Die Haupterschließung der Küferei erfolgt erdgeschossig an der Südwestseite des Gebäudes. Um eine klare Eingangssituation zu schaffen, wurde die Erdgeschossfassade eingerückt. Durch den so entstandenen überdachten Vorplatz, der als „Bühne im Freien“ dient, können unterschiedlichste Freiluftveranstaltungen angeboten werden. Zudem wurde der zur Küferei hin abfallende Hang als landschaftliche „Zuschauertribüne“ definiert. Sitzstufen aus Naturstein, kleine Terrassen für eine ergänzende Bestuhlung und schöne Grünbereiche mit einem freigelegten Bach versprechen eine hohe Aufenthaltsqualität für die Besucher.

Im Erdgeschoss des Neubaus befindet sich der zweigeschossige Veranstaltungsraum, der sogenannte „Gartensaal“. Der 250 m² große Saal kann durch eine mobile Trennwand in zwei unabhängige Konferenzräume unterteilt werden und steht künftig 200 Tagungs- oder 400 Stehgästen zur Verfügung. Im 2. und 3. Obergeschoss sind 19 moderne Zimmer untergebracht.

NACHHALTIGKEIT, ÖKOLOGIE, GEBÄUDETECHNIK
Die Bauherrschaft legte allergrößten Wert auf die Nachhaltigkeit des neuen Baukörpers, insbesondere mit Blick auf die Nutzungsdauer und den Unterhalt des Gebäudes. Im gesamten Gebäude kamen langlebige Materialien zur Ausführung. Bei der Gestaltung des Gartensaals wurden beispielsweise einige Wände als Holzoberflächen gestaltet. Die Abhangdecke besteht aus einem komplett akustisch wirksamen Heiz- und Kühldeckensystem, welches mit Haus- und Medientechnik bestückt werden kann. In regelmäßigem Abstand wurden darunter Lamellen in Holzoberfläche abgehängt. Durch die unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Lamellen entstand im Gartensaal eine spannungsreiche Deckenlandschaft. Der Bodenbelag im Gartensaal, im Foyerbereich und in allen weiteren öffentlichen Bereichen besteht aus hellbeigen Solnhofer Natursteinplatten.

Die Küferei wird über ein -bereits auf dem Grundstück vorhandenes- Nahwärmernetz mit Wärme versorgt. Die Beheizung und Kühlung der Gästezimmer und der wesentlichen öffentlichen Flächen erfolgt über ein Heiz- und Kühldeckensystem. Die übrigen Flächen wurden mit Fußbodenheizungen ausgestattet. In den Sommermonaten erfolgt die Kühlung des Gebäudes mithilfe des Irseer Bachwassers, das hierfür zunächst entnommen und im Anschluss an den Vorgang wieder in den Wasserlauf eingespeist wird. Dies ist durch den Einbau einer Wärmepumpe mit entsprechender wasserrechtlicher Genehmigung möglich. Durch die notwendigen Kühlaggregate der Kühlzellen im Küchenbereich fällt Abwärme an. Diese wird über einen Wärmetauscher zur Brauchwassererwärmung herangezogen. Darauf folgend wird die Restwärme der Umwelt zugeführt.
Das gesamte Gebäude wurde mit einer zentralen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Wirkungsgrad 82%) ausgestattet. Für die komplette Beleuchtung der Küferei kam eine energiesparende LED-Technik zum Einsatz. Diese kann -wie auch die übrige Gebäudetechnik- zentral über eine moderne Steuertechnik geregelt werden.

Abgerundet wird das energetische Konzept durch die 115 m² große Fotovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von circa 21 KWp. Der damit erzeugte Strom ist für den Eigenverbrauch des Kloster Irsee bestimmt.

Besonderheiten
Das Gesamtensemble des Kloster Irsee steht unter Denkmalschutz, daher erfolgte die Planung von Beginn an in sehr enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde München.